Fotoschule-Ruhr
Fotografieren lernen, von der Pike auf.
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Tom!s Tipps

Weg mit den Leuten

Oft ist es ganz nett, wenn Menschen ein Foto beleben. Aber manchmal möchte man Straßen oder Plätze auch einmal gänzlich menschenleer abbilden..

Neben teuren Absperrmaßnahmen gibt es auch preiswertere Wege, die mitunter eine Mischung aus Aufnahmetechnik und Bildbearbeitung erfordern.

Zuerst sollten Sie prüfen, ob Sie den Aufnahmezeitpunkt nicht ganz einfach in die frühen Morgenstunden verlegen können. Dann sind oft auch stark belebte Plätze nahezu menschenleer. In heißen südlichen Gefilden kommt auch die Mittagszeit in Frage. Aber dann steht die Sonne senkrecht, das ist für die Fotos meist nicht gut ("langweiliges Licht").

Der zweite Weg, die Verwendung sehr langer Belichtungszeiten, wurde auch schon in der analogen Fotografie genutzt. Mit einer Kombination von niedrigempfindlichen Filmen, stark geschlossenen Blenden und evtl. zusätzlicher Verwendung von Neutraldichtefiltern wird die Belichtungszeit möglichst stark ausgedehnt. Man kann so Zeiten von 1 sec oder gar 1 Minute erreichen. Alle Personen (und auch Gegenstände wie Fahnen oder Bäume) die sich während dieser langen Belichtungszeit bewegen, werden auf diese Art auf dem jeweiligen Sensorbereich nur kurzfristig aufgezeichnet. Der statische Hintergrund (Straßenpflaster, Häuser etc.) dagegen, der die ganze Zeit auf immer denselben Film oder Sensorbereich belichtet wurde, kann sich deutlich stärker im Bild auswirken.
Je nach Dauer und Intensität der Bewegung kann dann ein Platz völlig unbelebt aussehen. Auf stark frequentierten Plätzen funktioniert das aber nicht, da quasi ständig jemand durch das Bild läuft, der statische Hintergrund also auch nur einen geringen Anteil der Belichtung ausmachen kann. Es kommt zu einer Art "Menschennebel" im Bild,der die Hauptbewegungsachsen füllt.
Und auch wenn dieses Problem nicht auftritt, so bleibt doch die Gefahr verwischter Elemente wie Fahnen oder Bäumen, die sich während der Belichtung bewegt haben.


Aus vielen Bildern mit störenden Passanten wird ein
Bild eines menschenleeren Platzes

Der dritte Weg ist eine Kombination aus Aufnahmetechnik und digitaler Nachbearbeitung. Man macht dazu viele Bilder der gleichen Szenerie (auch hier wie bei den Langzeitbelichtungen am besten vom Stativ) und addiert dann anschließend die einzelnen Bilder auf.
Das kann von Hand mit den Ebenen der Bildbearbeitung geschehen oder aber auch mit speziellen Programmen. In der Bildbearbeitung öffnet man nach und nach alle Bilder und kopiert ihren Inhalt als neue Ebene in ein neues Bild. Mit 20 Ausgangsbildern erhält man so ein neues Bild mit 20 jeweils etwas unterschiedlichen Ebenen. Im Anschluss blendet man mit Ebenemasken aus jeder der Ebenen das Unerwünschte, also in diesem Fall die Passanten, aus. Das funktioniert am besten, wenn man jedes Detail des erwünschten Hintergrundes der Szene mindest in einem Bild ohne Passanten hat, der es verdeckt. Auf die Art kann man nach und nach alle Personen ausblenden und erhält so einen menschenleeren Platz.
Je nach Anzahl der abgebildeten Menschen und Intensität der Bewegung kann es aber nötig sein, viele Bilder und somit viele Ebenen zu nutzen, das macht dieses Vorgehen sehr arbeits- und zeitintensiv.

Doch zum Glück gibt es Alternativen. Die kostenlose Software "Tourieentferner" von Philipp Tölke automatisiert den Prozess des Ausblendens. Aus einer Gruppe von Bildern wird statistisch ein Bild erzeugt, dass seinen Inhalt mit der Mehrzahl der Einzelbilder teilt. Zufällig nur in einem oder nur in wenigen Bildern der Gesamtgruppe auftauchende Objekte (Passanten in Bewegung) werden so vollständig gelöscht und durch den Hintergrund ersetzt. Den "Tourientferner" finden Sie unter http://philipptoelke.de/tourieentferner/


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